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Volltreffer oder die drei Eier des Columbus
Wer
sich nicht auskennt, empfindet den Einkauf seiner Weine eher
als "Qual der Wahl". Wie schade, denn gerade die
Auswahl bereitet dem, der sich ein wenig zurechtfindet, im
Grunde besondere Freude. Es ist durchaus möglich, sich
schon beim Studieren der Etiketten den Geschmack, der sich
in der Flasche verbirgt, fantasievoll und genüsslich
auszumalen. Eine Voraussetzung ist aber, dass die Begriffe,
die auf dem Etikett auftauchen, richtig interpretiert werden
können.
Das
Etikett richtig lesen und deuten zu können, ist eines
von drei Eiern des Columbus. Das zweite Ei heisst, sich mit
einigen einfachen Regeln für die Kombination von Wein
und Speisen vertraut zu machen. So wird nicht nur der Wein
zum Essen, sondern auch das Essen zum Wein besser schmecken,
denn Wein und Essen ergänzen sich gegenseitig. Das dritte
Ei schliesslich, sind alle übrigen Informationen zum
Thema Wein, die ihnen von Winety.com zur Verfügung gestellt
werden. Damit landen Sie bei der Weinwahl bald einen Volltreffer
nach dem anderen.
Fangen wir ganz von vorne an...
... und zwar bei der schlichten Frage: Was ist Wein überhaupt?
Ehrlich
gesagt, um diese Frage genau zu beantworten, würde zu
viel Zeit vergehen. Hätte man sie, gelänge es wohl
trotzdem kaum. Denn Wein ist ein ausserordentlich kompliziertes
Produkt, ein Geheimnis, ein wahres Mysterium!
Warum?
Verblüffend
ist schon die stoffliche Beschaffenheit dieses Getränkes:
Allein über 800 verschiedene Aromasubstanzen hat man
bisher im Wein gefunden. Noch immer wurden die biochemischen
Vorgänge der Gärung, des zentralen Prozesses der
Weinentstehung, nicht vollkommen entschlüsselt. Kein
Winzer, kein Kellermeister würde schon zuvor genau sagen
können, welcher Wein schließlich bei seiner Arbeit
herauskommt. Und wie dieser sich dann in der Flasche fortentwickeln
wird, ist auch durch Experten nur grob abzuschätzen.
So
lange es ihn gibt, ist Wein Ausdruck von Religiosität.
Er ist Bestandteil uralter Heilkunde aber auch der modernen
Schulmedizin - heute weiss man, dass er, in vernünftigen
Mengen konsumiert, einen hohen gesundheitlichen Wert hat.
Wein
ist Gegenstand von Prosa und Poesie. Doch wirtschaftlich gesehen,
ist Wein ein Produkt, wie viele andere, die in unserer Kosumgesellschaft
wirksam vermarktet werden wollen. Romantische Gefühle
kommen bei jährlich über 13 Millionen verkauften
Flaschen rotem Amselkeller für 3 Mark wohl kaum auf.
Doch wie schwärmerisch wird so mancher Göttertrank
mit Worten beschrieben!
Falls
Sie nun noch verwirrter sind als zuvor: Verzweifeln müssen
Sie nicht! Diesem gnadenlos diffizilen Getränk können
wir mit Hilfe zweier bei uns ausreichend entwickelter Gaben
begegnen: Um den richtigen Wein ausfindig zu machen, gebrauchen
wir
1.unseren Verstand und
2.unsere Sinne.
Mit dem Verstand nutzen wir ein kompaktes Grundwissen. Unsere
Sinne sind feinfühlig genug für jeden Wein - auch
die ungeübten!
Und
was ist nun Wein?
Das ist Wein oder Drei grundsätzliche Lektionen
Lektion Nr. 1: Woraus er gemacht wird
Wein
wird aus Weintrauben, Trauben der Reben, gemacht. Es gibt
einige hundert verschiedene Rebsorten, die für den Laien
relativ ähnlich aussehen aber unterschiedlich schmeckenden
Wein hervorbringen. Rote Rebsorten (mit roten Beeren) sind
z. B. der blaue Spätburgunder, Cabernet Sauvignon oder
Shiraz. Weisse Rebsorten sind z. B. Riesling, Chardonnay oder
Sauvignon blanc.

In
letzter Zeit haben sich einige wenige hochwertige Rebsorten
etabliert. Das macht es dem Käufer etwas leichter, denn
das undurchdringliche Dickicht unzähliger verschiedener
Rebsortenbezeichnungen lichtet sich.
Lektion Nr. 2: Wie er entsteht
Wein
entsteht, wenn mikroskopisch kleine Einzeller, die Hefen,
den Zucker im Traubensaft (Most) umwandeln, und zwar in Alkohol
und Kohlendioxid. Diesen Vorgang nennt man Gärung. Wein
ist also vergorener Traubensaft. Das gasförmige Kohlendioxid
entweicht während der Gärung aus dem Gärbehälter.
Je
reifer die Trauben bei der Lese sind, desto mehr Zucker enthalten
sie gewöhnlich auch und desto mehr Alkohol kann dann
während der Gärung gebildet werden. Wird die Gärung
vorzeitig gestoppt (z.B. durch das Herabkühlen des gärenden
Jungweines und anschließendes Entfernen der Hefen) oder
hört sie von selbst vorzeitig auf, wird ein Teil des
Zuckers nicht in Alkohol umgewandelt. Wenn die Hefen allen
Zucker des Traubenmostes umwandeln, also kein oder fast kein
Zucker übrigbleibt, bekommt man einen trockenen Wein.
Je mehr Zucker des Traubenmostes nicht von den Hefen vergoren
wird, desto süsser wird der Wein.

Schaumwein
bekommt man, wenn man nach Beendigung der Gärung dem
fertigen Wein nochmals Hefen und Zucker zugibt und die sich
anschließende zweite Gärung im fest verschlossenen
Behälter (Flasche oder Drucktank) stattfinden lässt.
Dabei vergärt die zugesetzte Hefe den zugesetzten Zucker;
das gebildete Kohlendioxyd kann den verschlossenen Behälter
jedoch nicht verlassen und bleibt im Wein gebunden. Erst wenn
später der Stopfen knallt, sprudelt es.
Lektion Nr. 3: Was zur Qualität zu
sagen ist
Die
Qualität eines Weines hängt zum einen von der Güte
des Terroirs ab. Das Terrior beschreibt die klimatischen und
bodenstrukturellen Gegebenheiten eines Weinberges, auf dem
die Trauben heranreifen. Daraus läßt sich ableiten,
in wieweit sich Boden und Klima für die Weinerzeugung
eignen.
Zum
anderen ist die Weinqualität abhängig vom Einsatz
des Weinproduzenten und wie er das Terroir bei seiner Arbeit
im Weinberg und später im Keller zu nutzen versteht.
Grundsätzlich muß er dabei zwischen hohen Traubenerträgen
und hoher Weinqualität abwägen: Oft ist ein wirklich
feiner Wein nur zu gewinnen, wenn auf eine zu hohe Sockbelastung,
also zu viel Frucht pro Rebstock, verzichtet wird. Das Kann
der Winzer z. B. durch den Rebschnitt vor dem Austrieb oder
das Ausdünnen kurz vor dem Reifebeginn regulieren.
Es
gibt grosse qualitative Unterschiede bei Weinen. Letztlich
ist Qualität aber persönliche Geschmacksache und
objektiv kaum messbar. Trotzdem geben Beurteilungen von Experten
wichtige Hinweise auf die Qualität von Weinen. Preis
und Qualität eines Weines stehen dabei keinesfalls in
direktem Zusammenhang.
Interessant?
Etiketten
Etiketten
hin oder her, man muss sie lesen - und auch verstehen können.
Auf ihnen, wie elegant oder grauenvoll sie auch sein mögen,
stehen die Informationen, die alles Wesentliche über
einen Wein verraten. Und zwar schon bevor man ihn kauft, das
ist wichtig.
Unser
Gesetz schreibt exakt vor, welche Informationen auf dem Etikett
zu finden sein müssen oder dürfen. Ein Heer von
Kontrolleuren beschäftigt sich ununterbrochen mit der
Überwachung dieser Vorschriften. Um sie zu umgehen, kam
man pfiffigerweise auf den Gedanken, vom legitimen Rückenetikett
regen Gebrauch zu machen: Auf einem zweiten Etikett auf der
Rückseite der Flasche deponieren einige schlaue Köpfe
die Informationen, die auf der Vorderseite nur stören
würden. Der Kunde soll sich z. B. nicht mit stupiden
Volumenangaben, nichtssagenden Herkunftsgebieten oder sonstigen
entbehrlichen Informationen abplacken.
Gelegentlich
ist es aber doch interessant, die Flasche einmal herumzudrehen.
Das Herkunftsgebiet zu erfahren, ist schon der Mühe wert.
Ein Riesling vom Herkunftsgebiet Mosel beispielsweise passt
aufgrund seines filigranen und gewöhnlich säurebetonten
Geschmacks zu anderen Speisen und Gelegenheiten als ein badischer
Riesling. Ein Riesling der in Baden gedeiht erfreut sich höherer
Durchschnittstemperaturen und höherer Sonneneinstrahlung
und zeichnet sich deshalb durch eher üppige, voluminöse
Geschmacksfülle aus generell eben ein völlig
anderer Geschmackstyp als ein feiner Moselriesling. Ein Moselriesling
wie man ihn kennt hat darüber hinaus noch eine leicht
mineralische Art, die von den schieferhaltigen Böden
dieses Anbaugebietes herrührt.
Aber
wenn Sie Lust haben, können Sie sich ja einen Riesling
von der Mosel, einen aus Baden und dazu vielleicht sogar noch
einen aus dem Elsaß besorgen am besten alle trocken
oder halbtrocken und sie einmal direkt nebeneinander
verkosten. Da werden Sie die Unterschiede feststellen. Beim
Wein geht Probieren ohnehin über Studieren.
Nehmen wir zum Beispiel das Etikett der deutschen Weine

Ein
Weinetikett ist sozusagen die Visitenkarte eines Weines. Es
vermittelt dem Verbraucher vielfältige Informationen,
die beim Weineinkauf wichtig sind: Jahrgang, Rebsorte, Herkunft,
Qualitätsstufe, Weinart, Geschmacksangabe, Alkoholgehalt,
den Erzeugernamen, die amtliche Prüfnummer. Teilweise
sind solche Angaben Pflicht, teilweise sind sie fakultativ,
also Gesetzgeber vorgeschrieben.
Obligatorische
Angabe bei einem deutschen Qualitätswein oder Qualitätswein
mit Prädikat ist die Bezeichnung der Qualitätsstufe
und des Anbaugebiets, aus dem der Wein kommt. Sind diese Voraussetzungen
erfüllt, kann das Etikett zusätzlich auch eine engere
Herkunftsbezeichnung wie den Weinort oder Weinort/Weinlage
tragen.
Auf
dem Etikett angegeben sein müssen außerdem die
amtliche Prüfnummer, der Erzeuger (Gutsabfüllung/Erzeugerabfüllung)
oder Abfüller, der vorhandene Alkoholgehalt in Volumenprozent
und der Flascheninhalt. Erlaubt ist die Angabe des vorhandenen
Restzuckergehaltes. Der Jahrgang darf nur dann angegeben sein,
wenn mindestens 85% des Weines aus der Ernte des jeweiligen
Jahrgangs stammt. Die Nennung einer Rebsorte ist dann erlaubt,
wenn 85% der Trauben von dieser Sorte stammen und damit den
Geschmack prägen. Auch zwei Rebsorten dürfen (in
absteigender Reihenfolge nach ihrem Mengenanteil) genannt
werden, wenn der Wein vollständig von ihnen stammt.
Differenzierte
Hinweise auf dem Etikett sind eigentlich ein Vorteil im Sinne
des Verbrauchers. Andererseits sind viele Konsumenten, die
beim Weinkauf nicht beraten werden, häufig überfordert
und verunsichert. Was die Orientierung erleichtert: Die amtliche
Prüfnummer ist eine Garantie ebenso wie der (gute) Name
eines Erzeugers. Die Rebsorte beeinflusst Duft und Geschmack
erheblich, ebenso wie die Geschmacksrichtung, die bei trockenen
(bis 9 Gramm Restzucker pro Liter Wein) und halbtrockenen
Weinen (9 bis 18 Gramm) meistens angegeben ist. Die Weinlage
ist eine Orientierung, aber nur selten von Bedeutung für
den Geschmack. Mehrere Erzeuger können aus einer Weinlage
durchaus unterschiedliche Weine liefern.
Seit
einiger Zeit gibt es in allen deutschen Anbaugebieten Initiativen,
die Weinetiketten nicht mit zu vielen Angaben zu überfrachten.
Mehr Klarheit durch übersichtliche Optik heißt
die Devise, der viele Erzeuger folgen. Manche specken ab,
indem sie für ihre Weine nur noch den Erzeugernamen,
die Geschmacksrichtung und Rebsorte herausstellen und auf
die Lagenangabe verzichten. Andere platzieren die nicht obligatorischen
Angaben auf einem Rückenetikett, um die Übersichtlichkeit
zu verbessern. Seit einigen Jahren erfahren Weinetiketten
auch eine kreative Aufwertung. Sogenannte Künstleretiketten
oder grafisch moderner gestaltete Versionen zeigen, dass die
deutschen Winzer mit dem Zeitgeschmack gehen.
Wein & Speisen
Ein
Wein für sich genommen kann einen noch so tollen Trinkgenuss
bieten, wenn er nicht zum gewählten Essen passt, ist
es mit dem Genuss vorbei. Man muss sich schon etwas intensiver
mit der Materie beschäftigen, um herauszufinden, welche
Weine mit welchen Speisen harmonieren. Zumal es in der Regel
fast unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten gibt,
die man sich in einem jahrelangen Erfahrungsprozess regelrecht
erarbeiten muss.
Die uralte Faustregel "zu dunklem Fleisch stets Rotwein,
zu hellem Fleisch nur Weißwein" ist längst
passé. Neue, kreative Arten zu kochen, die leichte,
phantasievolle und auf natürliche Aromastoffe ausgerichtete
Küche lassen völlig neuartige Kombinationen zu und
eröffnen vor allem dem Weißwein neue Einsatzfelder.
Die angestrebte Harmonie lässt sich allerdings nur dann
erreichen, wenn sich Wein und Speise besonders ähnlich
sind - das heißt wenn Rohstoffe, Zutaten und Zubereitung
der Speisen Ähnlichkeiten in Fülle und Gehalt, Duft-
und Geschmacksnoten sowie Duft- und Geschmacksintensität
gewährleisten.
Drei Grundsätze gibt es dabei zu beachten:
-Der Wein soll den Geschmack der Speise unterstreichen, er
darf ihn höchstens leicht dämpfen, nicht jedoch
vollkommen überdecken
-Die Weinfolge soll (ebenso wie die Speisenfolge) in Aroma
und Geschmack sowie in Gehalt und Fülle eine Steigerung
erfahren
Ein Wein hat bei Tisch drei Feinde, die ihn angreifen:
-Essig (z. B. ein mit zuviel Essig angemachter Salat)
-spitze Säure von Zitrusfrüchten
-Öl (z. B. bei öligen Fischarten, die besonders
Rotwein einen metallischen
Geschmack verleihen können)
Das Zusammenspiel zwischen Weinen und Speisen
-Alkohol erhöht den Eindruck der Süsse, verstärkt
die Wirkung von Gewürzen und verhilft zu einer funktionierenden
Verdauung. Ein niedriger Alkoholgehalt im Wein lässt
die Restsüsse stärker hervortreten. Durchgegorene
Weine (ohne Restsüsse) mit hohem Alkoholgehalt wirken
milder als durchgegorene mit niedrigem Alkoholgehalt. Bitterstoffe,
die sich im Wein oder durch Rösten, Grillen bzw. Schmoren
in den Speisen befinden, harmonisieren die Süsseempfindung
und mässigen die Säureempfindung. Bitterstoffe werden
langsam wahrgenommen, halten aber lange an. Sie sind bekömmlicher
in Verbindung mit gerbstoffhaltigen, alkoholreichen Weinen.
-Stark fetthaltige Speisen sind bekömmlicher mit Weinen,
die reich an Säure, Gerbstoff und Alkohol sind. Diese
drei Weinkomponenten regen übrigens Appetit und Verdauung
besonders an.
-Kräftig gewürzte Speisen (z. B. mit Pfeffer, Chili,
Curry, Tabasco) schmecken in Verbindung mit alkoholreichen
Weinen noch kräftiger. Bei Weinen, die neben einem hohen
Alkoholgehalt auch noch kräftige Säure besitzen,
ist deshalb äusserste Vorsicht geboten.
-Kohlensäure im Wein (und vor allem im Sekt) verdeckt
teilweise die Süsseempfindung. Zu Speisen getrunken wirken
diese (Schaum) Weine süßer als sie tatsächlich
sind. Schaumweine der Geschmacksrichtung extra trocken bis
extra brut sind zum Essen besser geeignet als trocken bis
milde. (Ausnahme: Desserts)
-Salz steigert die Wahrnehmung der Aroma- und Bitterstoffe
in Wein und Speisen.
-Säure unterstützt die Süsse (z. B. Zitronensaft
auf Erdbeeren). Vorübergehend verdeckt sie auch Bitterkeit.
In Verbindung mit stark säurehaltigen Weinen werden säurehaltige
Speisen unbekömmlich und können Sodbrennen verursachen.
Fetthaltige Speisen werden hingegen durch Weine mit guter
Säure leichter verdaulich.
-Süsse erhöht schliesslich die Wahrnehmung der Aromastoffe
im Wein und mäßigt den Eindruck von bitter und
sauer. Sehr trocken ausgebaute Weine wirken in Verbindung
mit Speisen (da diese Salz und Zucker enthalten) milder und
harmonischer.
-Die optimale Auswahl von Weinen zum Essen obliegt zudem einer
Anzahl weiterer Kriterien wie: Tageszeit, Jahreszeit, Aussentemperatur,
Anlass (feierlich, einfach), Zusammensetzung des Personenkreises
(Alter, Weinverständnis), Preis (Was dürfen die
Weine kosten?) oder Menüfolge.
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