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Bordeaux 1999 - Zur Subskribtion geeignet?
Einige namhafte Unternehmen empfehlen, auch beim Weinjahrgang 1999 zu subskribieren, und schon jetzt Weine zu bestellen und zu bezahlen, die frühestens in einem Jahr im Handel erhältlich sind. Um einen Eindruck von der Qualität des Jahrgangs zu erhalten, sollte man sich in jedem Fall den klimatischen Verlauf des Jahrgangs genau anschauen und ausserdem nach Hinweisen aus Expertenkreisen Ausschau halten.
Beginnen wir mit den klimatischen Bedingungen
Ein sehr milder Winter verursachte im Bordelais eine frühe Blüte mit entsprechendem Vegetationsverlauf. Das Klima während der Vegetationsperiode war günstig und kann mit dem heissen, feuchten Jahrgang 1989 verglichen werden. Wie so oft im Bordelais setzte zur Ernte aber der Regen ein. Das ganze Bordelais litt enorm darunter. In Saint Emilion richtete Hagel auf Château Angelus sogar grossen Schaden an. In einigen Regionen war die Lese vor dem einsetzenden Regen, in anderen, wie im Médoc, fiel sie mitten hinein: Viele Weine gerieten dünn und metallisch.
Der Winzer hatte in diesem Jahr, wie auch im Jahr 1989, sein Schicksal selbst in der Hand: Diejenigen, die kräftig ausdünnten, mehrfach faules Lesegut selektierten und schließlich nur die besten Partien auswählten, hatten die Chance, erstklassige Qualitäten zustande zu bringen. So verwundert es nicht, das vor allem die großen, namhaften Chateaus mit ihrem Heer von Lesehelfern und oftmals mit modernster Kellertechnik weniger Probleme mit dem schlechten Wetter hatten. Von den kleinen Erzeugern ist nur etwa ein Drittel zufrieden, ein weiteres Drittel hält sich lieber bedeckt. Das letzte Drittel spricht von einer wahren Katastrophe.
Die klimatischen Bedingungen in den einzelnen Appellationen in 1999
Hervorragend gelungen sind die Weissen und Roten aus südlicheren Gebieten, wie Pessac-Lèognan (praktisch alle Trauben konnten vor dem Regen geerntet werden) und die süssen Weine aus Sauternes und Barsac. Die Weine aus Sauternes sind, wie in den beiden Jahren zuvor, eine wahre Freude. Es kann von einem ganz großen Jahrgang gesprochen werden.
In Pomerol und St. Emilion wurden bei sehr uneinheitlichen Bedingungen einige grossartige Weine erzeugt. In Pomerol musste oft bis zur Hälfte deklassiert werden, um die Qualität halten zu können.
Auch aus der Appelation Médoc kommen einige schöne Weine, doch insgesamt gehört die Appelation zu den schwächsten.
In Margaux waren die Weine diesmal sehr einheitlich und insgesamt besser als 1998.
Listrac und Moulis: das Preis-Leistungs-Verhältnis beider Appelationen ist hervorragend, zumal die meisten Weine besser gelungen sind als im Médoc allgemein.
Für Saint-Estèphe war 1999 kein wirklich großes Jahr, doch einige interessante
Alternativen gibt es auch hier.
Empfehlenswerte Weine aus den verschiedenen Appelationen
Saint-Emilion: Barde-Haut, Canon-la-Gaffelière, Canon, La Dominique, La Gomerie, La Mondotte, Trottevieille, Valandraud, Monbousquet.
Pomerol: Pétrus, L'Eglise Clinet, Bonalgue, Certan de May, Clinet, La Croix, Le Pin, Clos de Sales, Trotanoy.
Pessac-Léognan: Haut-Brion, Les Carmes Haut-Brion, Domaine de Chevallier, Fieuzal, Haut Bergey, Malartic-Lagravière, Pape-Clément. Weissweine aus Pessac-Léognan, Graves und Bordeaux sind fast ausnahmslos gelungen. Spitze: Haut Brion.
Margaux: Brane-Cantenac, Canuet, Ferrière, Giscours, Labégorce-Zédé, Margaux, Palmer, Du Tertre.
Listrac und Moulis: Chasse-Spleen, Poujeaux, Cap Léon Veyrin, Fonréaud.
Saint-Julien: Ducru-Beaucaillou, Beychevelle, Branaire, Gruaud-Larose, St.Pierre.
Pauillac: Batailley, Latour, Mouton-Rothschild, Pichon-Baron, Lynch-Bages, Pichon-Lalande.
Saint-Etèphe: Calon-Ségur, Clauzet, Cos d'Estournel, Meyney, Montrose, Phélan-Ségur, Tour de Pez, Tronquoy-Lalande.
Sauternes: Fast alle namhaften Chateaus sind empfehlenswert.
Wie sieht die preisliche Situation aus?
Subskription bedeutet zum einen, einen Preisvorteil durch die vorzeitige Bestellung der Weine mitzunehmen. Für viele ist Subskription aber auch ein Spekulationsgeschäft. Zwischen beidem sollte man in jedem Fall differenzieren.
Da der Jahrgang allgemein nicht als Spitzenjahrgang eingestuft wird, lohnt sich die Subskription wahrscheinlich nur deshalb, weil der Preis niedriger liegt als beim späteren Kauf im Handel. Hier muss ausserdem zwischen den namhaften und den unbekannten Betrieben unterschieden werden: Die Preise der meisten 99er werden im Vergleich zum Vorjahr um 10 bis 20% fallen. Dies behaupten einige Händler in Bordeaux.
Auf eine Wertsteigerung der Bordeauxweine insgesamt zu hoffen scheint unrealistisch. In jedem Fall scheint eine Investition in erstklassige oder besonders rare Chateaux, wie Le Pin and La Mondotte sinnvoller zu sein. Hier wird mit einer Wertsteigerung von 10 bis 30% im Frühling 2002 gerechnet.
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