Winety-Interview
...mit: Klaus-Peter Keller, Weingut Keller in Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen

(c)
Junko Iwamot,Southern
Cross Seebeck + Iwamoto)
Mit einer grandiosen Kollektion 1998 wurde Klaus Keller vom Gault Millau Wine Guide zum "Winzer des Jahres" ausgezeichnet. Sein Weingut in Flörsheim-Dalsheim in Rheinhessen häuft Gold über Gold und sammelt Auszeichnungen und Prämierungen wie andere Briefmarken. Wir richteten einige Fragen an seinen Sohn Klaus-Peter, der gerade sein Studium in Geisenheim beendet hat und zusammen mit seinem Vater den Betrieb leitet.
Winety: Klaus-Peter Keller, wie kommt ein Weingut in Rheinhessen zu so vielen Auszeichnungen und Prämierungen?
Klaus-Peter: Durch harte Arbeit im Weinberg, die von der Familie selbst geleistet
wird. Bei uns arbeiten drei weinbesessene Keller-Generationen im Betrieb mit und führen alle wichtigen Arbeiten persönlich aus. Die logische Folge sind Weine, wie wir selbst sie uns vorstellen und das ist entscheidend. Solche Weine können dann auch überregionale Bedeutung bekommen.
Winety: Hat man da noch Zeit für sein Privatleben?
Klaus-Peter: Das Schöne an unserem Familienbetrieb ist eben, dass die Familie ständig zusammenarbeitet und zusammen diskutiert. Wenn Hobby und Beruf identisch sind, vermisst man das Privatleben kaum.
Winety: Welche wesentlichen oenologischen Schritte gehören dazu, Weine mit einem derart kristallklaren Fruchtgeschmack wie die Ihren zu erzeugen?
Klaus-Peter: Die Grundlage für eine herausragende Weinqualität wird immer im Rebberg gelegt. Dazu gehört vor allem eine strikte Ertragsbegrenzung, eine penible Weinbergsbewirtschaftung und eine streng selektive Lese. Kellertechnisch wichtig ist die äusserst schonende Verarbeitung der Trauben, die natürliche Sedimentation des Mostes und eine langsame, kontrollierte Gärung.
Winety: Was haben Sie vom Studium in Geisenheim mitgenommen?
Klaus-Peter: Vor allem mehr Hintergrundwissen in allen wichtigen Bereichen des Weinan und -ausbaus. Ich habe ausserdem einige gute Freundschaften mitgenommen - Freunde, die wichtige Ratgeber sind (und uns obendrein beim Trinken unserer Weine behilflich sind).
Winety: Welcher deutsche Wein ist für Sie der Grösste?
Klaus-Peter: Die 89er Scharzhofberger TBA (Trockenbeerenauslese) von Egon Müller.
Winety: Welcher ausländische Wein ist für Sie der Grösste?
Klaus-Peter: Ich trinke sehr gerne gute Burgunder von Claude Dugat und Hubert Lignier.
Ältere Jahrgänge von Meerlust Rubicon aus Südafrika gefallen mir ebenfalls besonders.
Winety: Wo hört für Sie Wein auf, Naturprodukt zu sein?
Klaus-Peter: Da, wo nicht mehr die Arbeit im Rebberg, sondern nur noch die Kellertechnik über die Weinqualität entscheidet. Dann macht doch der Beruf auch keinen Spass mehr. Der Zusatz von Holzextrakten oder Aromen hat im Wein nichts zu suchen!
Winety: Wie sieht für Sie die Zukunft des deutschen Weins aus?
Klaus-Peter: Die deutschen Spitzenweine - insbesondere aus der Riesling-Traube - sind weltweit einzigartig. Wir werden weiter hart daran arbeiten, höhere Qualitäten zu erzeugen, um die Reputation, die deutsche Weine vor 100 Jahren hatten, wiederzuerlangen.
Winety: Was sind Ihre nächsten Ziele?
Klaus-Peter: Ein gesundes Baby und ein guter Jahrgang 2000.
Winety: Wovon träumen Sie als Winzer noch?
Klaus-Peter: Von einem grandiosen 2000er!
Einige Fakten zum Betrieb
Rebfläche: 12,5 Hektar
Jahresproduktion: 100.000 Flaschen
Spitzenlage: Dalsheimer Hubacker
Boden: Lehm, Ton, skelettreicher Tonmergel
Rebsorten: 35 % Riesling, 30 % Weiss- und Grauburgunder sowie Chardonnay, 25 % Rotweinsorten, 10 % Rieslaner und Huxelrebe
Durchschnittsertrag: 69 hl/ha
Beste Jahrgänge: 1996, 1997, 1998
|